Vor einer Woche brachte mich eine längere Autobahnfahrt mit vielen Kilometern Baustelle und etlichen Kilometern Stau – obwohl der Verkehr, wie für einen Sonntagabend üblich, eher dünn war – ein bisschen ins grübeln und letztendendes dazu, diesen Beitrag zu schreiben.

Laut Auto Club Europa wird gerade (03.08.2009) an 6,71% der 12.400 km Bundesdeutscher Autobahnen gebaut. Das ist auch schon anderen Leuten aufgefallen, zum Beispiel dem Abendblatt.
An 413 Baustellen wird zur Zeit gebaut. Allerdings werden Baustellen mit weniger als 8 Tagen Bauzeit nicht mitgezählt. Diese große Zahl von Investitionen in unsere Infrastruktur verdanken wir unter anderem den Konjunkturpaketen der Bundesregierung. Was ich in der öffentlichen Diskussion allerdings schmerzlich vermisse ist der wirtschaftliche Schaden, der durch Baustellen entsteht.
Tausende von Auto- und LKW-Fahrern stehen täglich im Stau, von denen nicht wenige im selben Moment nach Stunden bezahlt werden. Oder, auch nicht besser, nicht nach Stunden bezahlt werden und durch Untätigkeit ihre Arbeitskraft verschwenden, Termine versäumen oder ihre Ladung verspätet ausliefern. Ich wage zu behaupten, dass der Schaden für die Wirtschaft, der hier entsteht die Wirkung des Konjunkturpakets in diesem Bereich weitestegehend auffrisst, wenn nicht übersteigt. Denn wenigen Bauarbeitern und Baufirmen stehen ein vielfaches an Freiberuflern und Unternehmen gegenüber, die durch die Baustellen Gewinneinbußen erleiden. (Die Angestellten sind hier ausgenommen, da sie ja nicht direkt unter der Verzögerung leiden.)
Von Menschen mit Auslandsaufenthalten habe ich märchenhafte Geschichten gehört: in Schweden werden Straßen über Nacht gebaut, in Amerika muss die Baufirma bezahlen, wenn der Freeway länger gesperrt bleibt als versprochen. Und bei uns? Mehr als 4 Wochen geplante Bauzeit um 2 km Fahrbahn zu “erhalten”.
Natürlich ist die Instandhaltung der Autobahnen wichtig. Aber warum wird nicht alles dafür getan die Bauzeit und damit die Verkehrsbehinderung so gering wie möglich zu halten? Die Baubranche würde nicht darunter leiden, denn die Arbeitsstunden und damit die Arbeitsplätze wären die gleichen, würde man ihr nicht Faulheit und Trödelei bei der derzeitigen Praxis unterstellen. Es wäre ohnehin von Vorteil, die Bauarbeiten auf einem konstanten Niveau zu halten, denn die Baufirmen wollen ja beschäftigt werden. Und was soll eine Straßenbaufirma machen außer Straßen bauen? Dann soll sich aber bitte die Zahl der Baustellen deutlich reduzieren.
Schnell seriell statt langsam parallel – auf den Datenautobahnen hat man diesen Trick längst entdeckt.